Wuppertal, November 2007 | Das Büro, in dem ich arbeite, befindet sich auf dem Gelände einer alten Bandweberfabrik. In dem Gebäude wurde schon gearbeitet, als mein Urgroßvater seinen ersten Matrosenanzug trug – vielleicht waren die Bündchen mit Bändern aus dieser Fabrik gefertigt.
Vor einigen Monaten hat man das Fabrikgebäude leergeräumt. Gerätschaften, mit denen drei Generationen gearbeitet haben, wurden von billigen Arbeitskräften in Container geworfen. Jede Menge Garnrollen und altes Mobiliar warten noch in einem Schuppen auf Ihre Abfuhr.
Dem Wissen um ökonomische Zwänge, Lohnnebenkosten und weltweiten Wettbewerb zum Trotz stimmt es mich traurig, das zu sehen. In einer Art Übersprungshandlung habe ich einigen der Objekte eine visuellen Nachruf gewidmet. Wenn auch digital fotografiert, verströmen sie den Reiz des analogen Werkstücks, der ehrlichen Arbeit und des verdienten Feierabends.
Ach ja – als neuer Mieter wird ein muslimischer Tanzverein in das Dachgeschoss der Fabrik einziehen. Was dies in Bezug auf analoge Wertschöpfungen und digitale Globalisierung bedeutet, vermag ich noch nicht abzuschätzen.